Vielversprechende Eröffnung des ilb

Gestern Abend war es endlich soweit. Das diesjährige Internationale Literaturfestival Berlin ging auf Fahrt. Ich hatte zunächst befürchtet, gar nicht in die Eröffnungsveranstaltung hinein zu kommen. Aber im Endeffekt war diese gut besucht, aber nicht so proppenvoll, dass für mich kein Platz mehr gewesen wäre.
So eine Eröffnung ist der Schauplatz vieler Ansprachen, aber unverhofft machte zunächst den Anfang der Musiker Chico Mello mit seiner Gitarre und sogar Obertongesang. Was seine Darbietung aber erfrischend machte, war nicht nur die Musikstückauswahl („John Cage at the Beach Nr. 0“ und „Eu sonhei que tu estavas tão linda“ von Lae Babo und Francisco Matoso) sondern besonders sein Humor und wunderbare Mimik – sein kleines Konzert war witzig und herrlich unverkrampft. Ein kecker Anfang für ein solches Festival!
Danach kam Dr. Thomas Oberender, der Intendant der Berliner Festspiele auf die Bühne, gefolgt von Ulrich Schreiber, dem Festivaldirektor. Betont wurde der Internationale Kongress für Demokratie und Freiheit der im Rahmen des ilb stattfindet und das in Erinnerung rufen und Wachhalten der Menschenrechte. Dafür gab es auch einen kleinen Film, in den diverse internationale Autoren und deutsche Schauspieler die Artikel der Menschenrechte in ihrer Muttersprache vorlasen.
Nicht zuletzt gab es Danksagungen von Uli Schreiber, der am Ende seiner Rede seine Mitarbeiter auf die Bühne bat. Schon hier wurde ein hoher Frauenanteil sichtbar. Ein Mann unter ca. 9 Frauen. Als er schließlich auch die Praktikanten des Festivals auf die Bühne beorderte, nahm das Ganze absurde Züge an, denn aus den Seitenbühnen quollen ungefähr 20 junge Studenten heraus, bis auf 3 „Quotenmänner“ alle weiblich. Das dürfte nicht verblüffen, ich nehme an, dass sie alle Germanistik oder etwas ähnliches studieren und wenn sich das nicht wahnsinnig in den letzten Jahren, wo ich an der Uni war, geändert hat, sah es in den Hörsälen nicht anders aus.
Dennoch will ich nicht unerwähnt lassen, was auch aus diesem Anblick für mich sprach – das Literaturfestival wie auch viele andere kulturelle Veranstaltungen und Häuser wird getragen von un- oder minderbezahlter Praktikantenkraft. Von Studenten, die sich damit einen besseren Start nach dem Studium im Kulturbetrieb erhoffen. Der vielleicht ausbleibt, weil die bezahlten Stellen sind rar und der Rest wird eben mit Praktikanten bestückt, die oftmals wesentlich mehr leisten, als Kaffee kochen. Aber eben ohne oder wenig Bezahlung. Es wäre wünschenswert, wenn sich da in Zukunft endlich einmal etwas ändern würde.
Aber zurück zum eigentlichen Festival: Das Highlight dieser Eröffnung dürfte ohne Frage die Ansprache von Elif Shafak nach einer Einführung von Gabriele von Arnim sein. Elif Shafak, die zwischen Istanbul und London lebt und aufgrund ihrer Schreiberei des öfteren in Scherereien mit der türkischen Regierung kam.
Sie spricht über die Depression in den Stimmen von Autoren und anderen Menschen auf dem Erdball. Wie wichtig es ist und immer wichtiger wird, die Stimme zu erheben und den Leuten zuzuhören. Ihre Ängste und ihre Wut wahr- und ernst zu nehmen. Und wie Sexismus mit einem verschärften politischen Klima zusammen hängt. Wie im Endeffekt alles miteinander verwoben ist und wie wichtig es ist, uns für eine wahrhaftige Demokratie einzusetzen.
Das Programm des Literaturfestivals reflektiert viel von dem, was sie da sagt. Die Themen wiegen schwer und so der Inhalt der meisten Bücher. Kein Wunder, wir leben in einer Zeit der vielfältigen Krisen – gesellschaftlich, politisch und ökologisch.
Elif Shafak erhält großen Applaus für ihre Rede – zu Recht. Eine sympathische Frau, deren Werk ich mir bestimmt in Zukunft genauer untersuchen werde.
Die Veranstaltung endet mit ihrer Signierstunde. Die Schlange ist ellenlang.
Ich habe mich mittlerweile mit einer Besucherin etwas angefreundet und quatsche noch ein bisschen bevor ich zu Robert Menasse in die Seitenbühne will, der seinen europäischen Roman „Die Hauptstadt“ präsentiert. Leider wird mir der Einlass verwehrt – die Veranstaltung ist komplett ausverkauft. So weiche ich auf die Gartenbühne aus und höre mir Dietmar Schmitz‘ Vortrag über die Ehrfurcht vor dem Gehirn an.
Das Literaturfestival webt in sein Programm etliche Themen aus dem wissenschaftlichen Bereich hinein. Ein spannendes Konzept, wie ich persönlich finde.
Der Vortrag ist jedenfalls interessant und humorvoll gestaltet. Was allerdings auch dabei zurückbleibt ist, wie wenig wir immer noch wissen und verstehen. Es gibt doch einige Fragen, die Herr Schmitz unbeantwortet lassen muss, weil er offen zugibt, das die Forschung noch nicht so weit ist. Das ist kein Manko seines Vortrages. Gibt aber einfach – zumindest mir – zu Denken. Und ist vielleicht aber kein schlechter Beginn, um ins Literaturfestival einzutauchen. Es gibt nämlich dort garantiert viel Spannendes, Unbekanntes und Wissenswertes zu entdecken. Dazu dann später mehr!

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