Die Suche nach Antworten im Garten der verlorenen Seelen

Ich weiß nicht, ob es an den Büchern liegt, die auf dem Literaturfestival vorgestellt werden oder an mir oder ob das ganz einfach in der Luft liegt, aber je länger ich die Veranstaltungen besuche, desto mehr wird mir klar, dass ich nach Antworten suche. Eine oder mehrere Erwiderungen auf die Frage, wie wir den Kriegen und diversen Krisen, mit denen wir ständig auf der ganzen Weg konfrontiert werden, begegnen sollen. Wie wir Angesichts der Gewalt, Angst und Hilflosigkeit unserer Mitmenschen selbst nicht die Hoffnung verlieren können. Das klingt vielleicht dramatisch wenn man es so zusammenfasst. Aber ist da nicht etwas Wahres dran?
Natürlich ist es weder die Aufgabe noch der Sinn eines Literaturfestivals das zu leisten. Und das Festival ist beileibe noch nicht um. Bis einschließlich Samstag gibt es noch vieles zu entdecken und zu hören. Was ich aber jetzt schon sagen kann – mir hat vieles, was ich dort wahrgenommen habe Mut gemacht. Vielleicht nicht in dem Sinn, dass wir schnellstmöglichst Änderungen zum Beispiel bezüglich Klimaveränderung, Xenophobie oder Gentrifizierung erwirken können. Aber ich weiß nicht wie es euch geht – ich war in den letzten Monaten und Jahren immer mehr frustriert von der Art Journalismus, die heutzutage betrieben wird. Selbst in Zeitungen, die bisher bei mir gut angeschrieben waren, musste ich ein Zunehmen von Verallgemeinerungen, reißerischen Schlagzeilen und einem sorgloseren Umgang mit dem Wort „Terror“ feststellen. Und ich habe schon den Eindruck, dass viele Leute diese blutrünstige Darstellung von allem und jeden leid sind. Und anstatt mehr hinzugucken, was vielleicht Sinn und Zweck dieser Form von Schreiberei ist, sehen die meisten immer mehr weg. Einfach weil es zuviel ist.
Das mag mitunter daran liegen, dass aus Kostengründen mittlerweile nur ein kleines Häufchen von denselben Schreibern alle Magazine, Fernsehstationen und sonstigen Medien bedienen. Man kauft einfach mehrfach von demselben Reporter ein und derselbe Artikel erscheint mehr oder minder in derselben Form in diversen Zeitungen auf. Das wiederum ist dadurch motiviert, dass kaum noch die gedruckte Version von Zeitungen gekauft werden und bisher hat sich kaum jemand getraut, das Online-Lesen der Artikel kostenpflichtig zu machen. Und vermutlich kauft man mit Vorliebe dann die Schreiber ein, die sprachlich und inhaltlich mehr auf den Putz hauen, in der Hoffnung, damit mehr Leute zum Kaufen der Zeitungen anzuregen. Ein Teufelskreis, der letzten Endes nicht aufgeht. Es fehlt mehr und mehr an Diversität, was den Inhalt der Medien angeht und – was noch viel schlimmer ist – viele möchten sie sich gar nicht mehr geben, weil sie ihnen zu laut und grell geworden sind.
Da lobe ich mir, was ich hier auf dem Literaturfestival höre und sehe. So auch im Falle von Nadifa Mohamed, eine junge, britische Autorin, die in Somalia geboren wurde. In ihrem zweiten Roman erzählt sie die Geschichte von drei sehr unterschiedlichen Frauen während der Bürgerkriegswirren dort. Von der Moderatorin Flora Veit-Wild – eine nette Dame, aber so umständlich, dass sie der aufgeweckten Autorin viel den Wind aus den Segeln nimmt – wird sie befragt, warum sie diesen Roman geschrieben hat und warum über diese drei Frauen. Nadifa Mohamed erklärt, dass sie die Ereignisse aus unterschiedlichen Perspektiven zeigen will. Kriege, so erläutert sie, werden im Allgemeinen in einer sehr glatten, simplifizierten Sicht präsentiert. Die Wahrheit sei jedoch viel komplexer und vielschichtiger. Es gebe nicht nur eine Sicht der Dinge.
Es sind Sätze, wie diese, die sich mir während der Veranstaltungen einprägen und mich freudig stimmen. Es gibt sie also doch noch, die Schreiberlinge, die nicht vereinfachen sondern ins Detail gehen wollen. Die nicht von vornherein verurteilen sondern erstmal zuhören und versuchen zu verstehen. Natürlich gibt es sie auch hin und wieder noch unter den Journalisten. Ich will hier auch nicht verallgemeinern. Aber vielleicht sind es in der heutigen Zeit vor allen Dingen die Schriftsteller, die diesen Weg beschreiten.
Das ist gerade nur eine wackelige These. Zumindest macht sie mir Lust, in Zukunft wieder mehr Bücher zu lesen.

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